Hansenhaus Rechts - Gemälde

Hansenhaus Rechts - Gemälde
Hansenhaus Rechts zu Marburg an der Lahn ca. im Jahre 1897 - Gemälde von Friedrich (Fritz) Klingelhöfer (04.061832 - 09.11.1903) Marburger Landschaftsmaler - Bildarchiv Foto Marburg 221331

Dienstag, 1. März 2016

Wie alles begann - Teil II

Das Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, nachfolgend HLGL, stellt mit dem Landesgeschichtliches Informationssystem, nachfolgend LAGIS, nachfolgende Daten sowie nicht belastbare Vermutungen aus dem (Hessisches) Historisches Ortslexikon Marburg, Seite 117 zur Verfügung:


Hansenhäuser

Datensatz Nr. 534014242 

LAGIS

Siedlung - Ortstyp: Gasthaus



Lage:

Am östlichen Stadtrand von Marburg.
2 Ausflugslokale auf einer den Lahnbergen westlich vorgelagerten Hochterrasse


Ersterwähnung:

1708/1710  

Bemerkung:
Zur Zeit noch eine nicht belastbare Aussage. 


Siedlungsentwicklung:
I.
Vermutlich im 17. Jahrhundert von einer aus Holland eingewanderten Familien Snyder angelegtes Gehöft.
Anfang des 18. Jahrhunderts abgebrannt.

II.
1707 bekommt der Schmied Johannes Klein die Erlaubnis 63/4 Morgen Wüstung im Schweinsgrund zu roden und auf der Weißen Mocken ein Wohnhaus zu errichten.

III.
Später ist das ehemalige Snyder'sche Anwesen (Hansenhaus rechts) im Besitz der verwandten Familien Schmenner (1736: Schmenner uffm Kaff).

IV.
1745 befindet sich eine zweite Ansiedlung der Familien Schmenner "uffm Berg"


Bemerkungen:

zu I.
Diese Aussage ist sehr vage. Das Gehöft lässt sich keiner Flur zuordnen. Nähere Angaben fehlen.
 
zu II.
Die Flur Schweinsgrund liegt unseren heutigen Ortskenntnissenunterhalb des heutigen Hansenhaus Links zwischen den heutigen Straßen An der Zahlbach, Alter Kirchhainer Weg und Schubbelackerweg
Der Weißen Mocken lag oberhalb des heutigen Hansenhaus Links in der Höhe des heutigen Trimm-Dich-Pfad, ca. 1000 Meter Luftlinie vom Kirchhainerweg / Zahlbach den Berg hinauf am / im Wald, im Bereich der ehemaligen, damals nur als Hohlweg existierenden, Straße nach Schröck und Alsfeld
In einem Ausschnitt der Schleensteinkarte wird das Mückenhaus dargestellt und auch als solches benannt. 
Die einzelnen Bögen der uns heutig bekannten Schleensteinkarte wurden ab ca. 1704 erstellt und nach 1710 als Ganzes, der Schleensteinkarte, zusammengetragen.
 
zu III.
Hier handelt es sich noch zur Zeit noch um nicht belegbare Vermutungen. 
Ob ein Schmenner eine Schneider (Snyder) oder ein Schneider (Snyder) eine Schmenner damals geheiratet hat, ist nicht eindeutig belegbar, aber durchaus möglich. Ebenso ist der Kauf des vermuteten abgebrannten Anwesen in Frage zu stellen.

zu IV. 
Im Jahr 1745 erscheint in den städtischen Registern ein zweiter Ansiedler "aufm Berg". Es ist Johann Wilhelm Schmenner. Auch er baut Wohnhaus und Scheune und macht Länderein im "Schweinsgrund" urbar.
 

Historische Namensformen: 

Mückenhaus (1708/10) 

Hanßen haußes, bey des (1743) 
Hansehaus (1846) 

Hansenhaus rechts [später] 
Hansenhaus links [später] 

Bezeichnung der Siedlung:

Hof 1846





Bitte beachten Sie den Teil III von "Hansenhaus Rechts - Wie alles begann ..." von Wilhelm Bücking aus dem Jahre 1886.

Wilhelm Bücking nimmt darin Stellung zu den Lagen und Größen der Fluren sowie den Ortsbezeichnungen "ufm Berg" und "ufm Kaff".



Schleenstein'sche Karte, Johann Georg SCHLEENSTEIN: Landesaufnahme der Landgrafschaft Hessen-Kassel 1705-1710 - Ausschnitt aus Blatt von Marburg - Mückenhaus eingezeichnet und benannt



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Samstag, 20. Februar 2016

Anno 1715 im Schweinsgrund bei Marburg


Der Schweinsgrund bei Marburg

In der alten Akte "Verwaltung der Buchholzischen Güter im Schweinsgrund bei Marburg" des Zeitraumes 1707 bis 1794 befindet sich auf Seite 94 diese Flurkarte.



Sie deckt nach heutiger Sicht das Gebiet "Rabenstein - Kaffweg - Hansenhaus Links - Alter Kirchhainer Weg" ab.

Im Jahre 1715 gab des die Großseelheimer Straße noch nicht. Wollte man nach Kirchhain reisen, so konnte man nach heutiger Sicht hinter St. Jost unter zwei Routen wählen. Die alte Route führte über den heutigen Alten Kirchhainer Weg, an der ehemaligen Abdeckerei Anton Gary vorbei, über die alte Heeresstraße "Altes Pflaster" mit seinen heute noch existierenden Steinpflaster, am Löwensteinkreuz vorbei, geradeaus den sehr steilen Lahnberg hoch auf die Alte Bauerbächer Straße.

Die andere, hier eingezeichnete, Route führte den Kaffweg hoch, am Hansenhaus Links vorbei, zu den an der ehemaligen Revierförsterei Hansenhaus beginnenden, bis circa 1965 existierenden, Serpentinenwege den Lahnberg hoch. Oben auf dem Lahnberg, kurz vor dem heutigen Sanatorium Sonnenblick, teilte sich diese Route. Links ging es auf die Alte Bauerbächer Straße in Richtung Bauerbach, Großseelheim, Kleinseelheim, an Radehausen vorbei, nach Amöneburg und Kirchhain. Geradeaus führte die Route über Schröck und Mardof nach Alsfeld.

Die in der Mitte dieser Karte eingezeichneten Wege sind die Vorläufer des Fähnrichweges und der Höhlsgasse. 

Der nachfolgende Plan aus der Neuzeit von ca. 1955 dient zum Gebiets- und Routenvergleich.


Quelle: Stadtarchiv Marburg - SM0997 - Ausschnitt aus einem alten Plan von ca. 1955 zum Gebiets- und Routenvergleich mit der Flurkarte von 1715


Das erste belegbare Bauwerk im Schweinsgrund, die Scheune von ca. 1707 des Schmiedes Johannes Klein, ist, nach heutiger Sicht unterhalb des Anwesens Hansenhaus Links in Höhe des Wasserweges am unteren Schubbelackerweg, eingezeichnet. Das genehmigte Wohnhaus an bzw. auf der Weißen Mocke ist nicht eingezeichnet. Sehr wahrscheinlich wurde es nie gebaut oder existierte 1715 bereits nicht mehr.







Mittwoch, 10. Februar 2016

Landgraf Carl

Der Schmied Johannes Klein zu Marburg
 
Das (Hessische) "Historisches Ortslexikon Marburg" schreibt auf Seite 117:
1707 bekommt der Schmied Johannes Klein die Erlaubnis 6 3/4 Morgen Wüstung im Schweinsgrund zu roden und auf der Weißen Mocken ein Wohnhaus zu errichten.
 In der alten Akte für den Zeitraum 1707 bis 1794, mit dem Titel "Verwaltung der Buchholzischen Güter im Schweinsgrund bei Marburg", liegt als erstes Blatt eine Abschrift (Cp) der Genehmigung des Landgrafen Carl vom 9. September 1707, dem Schmied Johannes Klein zu Marburg Rottland im Schweinsgrund gegen Zins zu überlassen.

Der Inhalt dieses Dokuments lautet:

Cp:
Weilen dem von unerm Forstambt zu Marburg
uns unterthänigst erstatteten Bericht nach die
hierin erwähnte wüstung der Schweinsgrund
genannt, ohne Schaden des walds und gehölzes
gerottet und arthafft gemacht werden kan,
so verwilligen wir gnädigst, daß Johannes
Klein, Schmied zu Marburg von solcher
wüstung, 6 ¾ Morgen, wie solche in dem uns
vorgezeigten abriß abgezeichnet sind, zur Arthafft-
machung eingeräumet und angewiesen
werden mögen , unserer Renthcammer, demnach
gdt [gnädigst] befehlend uff solche 6 ¾ Morgen, wann-
solche zuforderst gerottet einen gewißen
jährl. zinß und übrige auff dergl.n übliche
belastung zu trage und solche uns verrechnen
zu lassen etc.. unser vorbeh.: Forstambt zu Mar-
burg aber hat wegen solcher Rottäcker-Ein-
räumung Verfügung zu thun, und dahin
zu gehen, daß dieseselbe in gutem baus
und beßerung erhalten werde mögen.
Caßell d [en] 9. Sept: 1707
Carl
Die Genehmigung zum Bau eines Wohnhauses auf der Weißen Mocken, bzw. der Bau einer Scheune im Schweinsgrund, wird in diesem Dokument nicht erwähnt.

In Flurkarten ab 1715 ist ein Gebäude im Schweinsgrund, unterhalb des Plateau der heutigen Liegeschaft Hansenhaus Links, in der abfallenden Talmulde hin zum Alten Kirchhainer Weg, eingezeichnet.

Einige Flurkarten zeichneten dieses Gedäude jedoch oben auf dem Berg beim Hansenhaus Links ein. Dieser Standort ist allerdings unwahrscheilich, da dieses Plateau damals schon eine eigene Flurbezeichnung hatte. Ebenfalls ist dort nicht der erwähnte Weiße Mocken.
Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg - 23 c Marburg Nr. 107- erstes Blatt des Acts "Verwaltung der Buchholzischen Güter im Schweinsgrund bei Marburg"








 

Montag, 1. Februar 2016

Der erste Siedler auf dem Berg


Johann Balthasar Schmenner

Der erste Siedler auf dem Berg (uffm Berg) war Johann Balthasar Schmenner. 

Ein erster amtlicher Hinweis befindet sich in dem Contributionsregister der Stadt Marburg des Jahres 1733.






































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Contributionsregister des Jahres 1733 - Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg / 330 Marburg A II 11 Jg 1733













































































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Contributionsregister des Jahres 1733 - Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg / 330 Marburg A II 11 Jg 1733

Q









































































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Johann Balthasar Schmenner - Eintrag im Contributionsregister des Jahres 1733 - Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg / 330 Marburg A II 11 Jg 1733























































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Dienstag, 26. Januar 2016

Zum 170. Todestag von Heinrich Schmenner

Heinrich Schmenner (22.03.1838 – 26.01.1846)

Inschrift eines Grab- und Gedenksteines aus dem Jahre 1846 auf dem Alten Friedhof am Barfüßertor zu Marburg:
DEM ANDENKEN DER DREI KNABEN GEWEIT WELCHE AM 26 JANUAR 1846 DURCH DEN EINSTURZ DER PREDIGER MAUER AM LAHNTHOR DEN TOD FANDEN UND HIER VEREINT SIND
 

Was war geschehen? 

Der Knabe Heinrich Schmenner (22.03.1838) lebte mit seinen Eltern, dem Bürger, Tabakspinner und späterem Wirth des Hansenhof Johannes Schmenner, Sohn des  Balthasar Schmenner, Wirth auf dem Hansenhof (Hansenhaus Rechts), und Ehefrau Christine, geb. Saelzer sowie seinen Geschwistern im Haus Nr. 742 des Marburger Vorortes Weidenhausen (Heute Weidenhäuserstraße 80). Das Haus 742 war ein sehr schmales und hohes Haus, angebaut in einem von der Straße nicht sichtbaren Winkel des Vorderhauses. Der Eingang befand sich in einer kleinen Gasse. Heute sind beide Häuser durch den Eingang des Vorderhauses erreichbar.



Wie eigentlich an jedem Tag, machte sich Heinrich auch am Montag den 26. Januar 1846, so um halb Acht rum, auf den Weg zur Schule. Unterwegs traf er noch Freunde und Schulkameraden, und so ging man gemeinsam das Lahntor hinauf zur Schule. An diesem Morgen sollten allerdings nicht alle die Schule erreichen. Just in dem Augenblick, als die Schüler das Lahntor passierten, stürzte mit Getöse die enorm große Prediger Mauer ein und begrub mehrere Kinder unter sich.



Der Marburger Polizeidirektor, Wilhelm Heinrich Wangemann, berichtet umgehend, noch am 26. Januar 1846, an das Innenministerium in Kassel:
"... Heute Morgen um 3/4 8 Uhr stürzte die Mauer unter dem Gärtchen hinter dem Gymnasialgebäude und an dem Universitätsgebäude, durch einen viertägigen,Tag und Nacht anhaltenden, Regen erweicht, fast in ihrer ganzen Länge zusammen, verschüttete durch Steine und Erde die ganze sehr breite aus der oberen Stadt nach der Lahnbrücke zu führende Straße dergestalt, dass sogar der Schutt mehrere der gegenüber liegenden Häuser beschädigte [.....] Dabei wurden mehrere Kinder, welche sich auf dem Weg zur Bürgerschule befanden, verschüttet und teilweise erschlagen. [....] Drei Kinder konnten nur noch tot aus dem Schutt geborgen werden zwei weitere waren lebensgefährlich und drei minder hart verletztet. …" 
 Der Direktor des Gymnasiums, Dr. August Friedrich Christian Vilmar, berichtete ebenfalls in seiner gedruckten Mitteilung „Zu der öffentlichen Prüfung der Schüler des Kurfürstlichen Gymnasiums zu Marburg im Jahre 1846“ auf den Seiten 37 und 38 über das tragische Unglück:
"… Am 26. Januar 1846 stürzten in Folge der ungewöhnlichen Regengüsse, welche in den nächstvorhergegangenen Tagen Statt gefunden hatten, die hohen Umfassungsmauern des ehemaligen Dominikanerklosters und jetzigen Universitätsgebäudes, innerhalb dessen sich auch das Gymnasium befindet, zu grossen Theile – fast so weit dieselben die dermalige Dienstwohnung des Gymnasialdirectors umschlossen, nach der Lahnthorstrasse hin ein, und begruben in ihrem Falle fünf Knaben von 7- 8 Jahren, Schüler der hiesigen Bürgerschule, von welchen drei ihren augenblicklichen Tod fanden, zwei lebensgefährlich verletzt, aber seitdem wieder hergestellt wurden. Schüler des Gymnasiums wurden von dem Unfalle nicht berührt, ebenso wenig irgendeins der Schullocale des Gymnasiums oder die Aula der Universität. Dabei musste ein in Benutzung des Gymnasiums befindliches Gebäude in Folge dieses Mauersturzes zum großen Theil abgebrochen und die Bibliothek nebst den übrigen Sammlungen und Apparaten de Gymnasiums, welche in diesem Gebäude ihre Locale hatten, einstweilen in einem Privathause der Stadt untergebracht werden. [….] Unter ganz gleichen Umständen, nach ungewöhnlichen Regengüssen, welche, wie diesmal, ein starkes Anfluten der Lahn zur Folge hatten, stürzte dieselbe Mauer an dem demselben Tage (14. Januar in alten Stils) und derselben Stunde (acht Uhr Morgens) wie 1846, im Jahre 1552 ein, und zerschmetterte zwei gegenüberliegende Häuser, kostete damals jedoch kein Menschenleben. …"

Im Wochenblatt für die Provinz Oberhessen, Marburg, Sonnabend den 31. Januar 1846, konnte man im Mitteilungsteil für Marburg ebenfalls darüber lesen.
Gestorben in der evangelisch-lutherischen Gemeinde: Philipp, des hiesigen Bürgers und Seifensieders Oavid Prätorius Sohn, alt 8 Jahre, 11 Monate und 14 Tage ; Heinrich, des hiesigen Bürgers und Tabackspinners Johannes Schmenner Sohn, alt 7 Jahre, 10 Monate und 17 Tage; Wilhelm, des hiesigen  Bürgers  und  Häfnermeisters  Christoph Hermann Keppler Sohn, alt 8 Jahre, 11 Monate und 5 Tage.


 Etliche Jahre später, ca. 1875, entstand dieses Bild. Darauf kann der Betrachter anhand der Steine der Mauer erkennen, welches Teil dieser Mauer nach dem Einsturz erneuert wurde.

Philipps Universität ca. 1875. Blick auf die wiederaufgebaute Mauer. Quelle: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner



"... Die Bürgerschaft Marburg, genauer gesagt, die der lutherischen Gemeinde, hingegen hatte noch im Jahre 1846 einen Steinmetz beauftragt, ein großes Denkmal auf dem Friedhof vor dem Barfüßertor zu errichten bei dem auf der Stirnseite der eingangs zitierte Text steht; auf den drei übrigen Seiten ist jeweils der Name eines Knaben und das Jahr seiner Geburt eingemeißelt. ..." (Dr.h.c.M.Lemberg)













    Quellennachweis:
    • Stadtarchiv Marburg und GenWiki: Sippenbuch der Stadt Marburg 
    • Dr. A. F. C. Vilmar: Zu der öffentlichen Prüfung der Schüler des Kurfürstlichen Gymnasiums zu Marburg im Jahre 1846 – Seiten 37/38 
    • Akten des Staatsarchivs Marburg, u. a. StAM Karten Marburg P II Nr. 3581: Universitätsgebäude zu Marburg, Facade nach der Lanthor-Straße und StAM Best. 16 Nr. 5591: Akten betreffend den Einsturz der Umfassungsmauer am Universitätsgebäude in Marburg 1846
    • Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner - Bild Lahntor
    • Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH) - Bilder Friedhof und Weidenhausen
    • Margret Lemberg, Or. h. c., Oberstudienrätin für die Fächer Deutsch und Geschich­ te, von 1981 bis 1995 am Philippmum in der Festschrift zum 475jährigen Jubiläums des Gymnasium Philippinum zu Marburg“ – Seiten 169-174, 180-181
    • Wochenblatt für die Provinz Oberhessen, Marburg, Sonnabend den 31. Januar 1846 STAM Slg 10 Marburg 3




    Freitag, 15. Januar 2016

    Wie alles begann ...

    Der Ursprung des Stadtteils Hansenhaus
    mit der Hansenhaus-Gemeinde vor 280 Jahren
    von Hubertus Schmenner


    Man schreibt das Jahr 1733. Die Stadt Marburg mit ihren um die 5.000 Einwohnern befindet sich noch weitgehend in den von der Stadtmauer mit ihren Stadttoren gesetzten Grenzen. Auf der gegenüberliegenden Lahnseite erstreckt sich als Brückenvorstadt "Weidenhausen" an deren Ende sich die Kapelle St. Jost mit dem nicht mehr existierenden Siechenhaus befindet. Damit ist für die Marburger faktisch die Welt zu Ende. ln östliche Richtung führt ein Hohlweg zu einer den Lahnbergen vorgelagerten Hochterrasse mit den Flurbezeichnungen "uffm Kaff" und "Schweinsgrund". Offensichtlich bestehen bis dahin die dort gelegenen Ländereien aus Unland und sind noch nicht gerodet und urbar gemacht.

    Im Jahr 1733, vor nunmehr 280 Jahren, erscheint im Kontributionsregister der Stadt Marburg als erster Siedler "uffm Kaff" Johann Balthasar Schmenner, der von der Gemeinde Marbach kommend, von der Stadt Marburg Rodland erworben, dieses urbar gemacht und Wohnhaus und Scheune darauf erbaute. Nach alten Protokollen erhält der Schmenner "uffm Kaff" in 1736 von der Stadt  weitere Ländereien in Leihe. Somit ist bereits nach drei Jahren eine Vergrößerung des Anwesens dokumentiert. Was veranlasste 1733 Johann Balthasar Schmenner dazu von der Marbach auf dieses unwirtliche Hochplateau zu ziehen? War es der Wunsch nach Selbständigkeit, war es die Hoffnung auf etwas Wohlstand oder einfach nur Pioniergeist  Wir wissen esnicht. Betrachtet man die Entwicklung bis zum heutigen Stadtteil, so war die Entscheidung richtig.

    Im Jahr 1745 erscheint in den städtischen Registern ein zweiter Ansiedler "aufm Berg". Es ist Johann Wilhelm Schmenner. Auch er baut Wohnhaus und Scheune und macht Ländereien im "Schweinsgrund" urbar. Während Johann Wilhelm Schmenner auf der linken Seite seine Flächen im Schweinsgrund bewirtschaftete, hatte Johann Balthasar Schmenner die Grundstücke auf der  rechten Seite "uffm Kaff" in Bewirtschaftung. Diese Unterscheidung in "links" und  "rechts"  sollte  später  eine Bedeutung bis zum heutigenTag haben. Seide Anwesen müssen sich im Laufe der Jahre wirtschaftlich  entwickelt haben, wozu sicher nicht unerheblich eine Schankerlaubnis beigetragen  hat.  Seide Familien hatten  die  Genehmigung zum Ausschank von  Getränken und  zur  Ausgabe einfacher Speisen. Da  die Häuser unmittelbar an dem Fahrweg nach Schröck und Bauerbach lagen,bot sich an, dass die Pferdefuhrwerke und Ochsenkarren auf ihrem Weg nach Marburgund zurück dort Station machten und für eine Stärkung von Mensch und Tier sorgten. Ebenfalls waren viele Leute von den Dörfern zu Fuß nach Marburg unterwegs. Auch diese nutzen gerne die Möglichkeit der Einkehr. Auch unter den Marburger Bürgern hatte sich  schnell  herumgesprochen,  dass man in den Höfen "uffm Kaff" und im "Schweinsgrund" einkehren konnte und gut bewirtet wurde. Der Grundstein für zwei bis heute erhaltene Ausflugslokale war gelegt.

    Der Name "Hansenhaus" taucht erstmals in einem Stadtprotokoll vom Juni 1762 auf. Wie es zu dem Namen "Hansenhaus" kam, darüber ranken sich Legenden. Eine Version deutete darauf hin, dass eine Verbindung zum Städtebund der "Hanse" bestanden haben soll. Die andere  brachte den Scharfrichter der nahen Richtstätte "Rabenstein", der den Namen "von Hansen" geführt haben soll, ins Spiel. Dies alles ist jedoch nicht bewiesen. Wahrscheinlich ist der Name "Hansenhaus" von Vornamen der beiden Familien Schmenner abgeleitet, die beide auf den Rufnamen"Johann" hörten.  Da  im  alten  Sprachgebrauch  die  Vornamen  Johann/Johannes oft auf"Hannes" abgekürzt wurden, ist es glaubhaft, dass die Marburger Bürger bei ihren Wanderungen und Ausflügen sagten: "Heute gehen wir zum "Hannes sein Haus" und dies im Laufe der Jahre zu der Bezeichnung "Hansenhaus" geführt hat. ln späteren Jahren wird dann zur Unterscheidung der beiden Hansenhäuser der Zusatz "rechts" und "links" entstanden sein. Diese Unterscheidung ist bis zum heutigen Tag für die beiden Gastronomiebetriebe aktuell. Nach einer alten Bürgerliste von 1781 war der Hof- und Grundbesitz "auf dem Hansenhaus genannt im "Schweinsgrund" (Hansenhaus links) auf einen Balthasar Mengel übergegangen während das andere Anwesen (Hansenhaus rechts) im Besitzvon Johannes Schmenner blieb.

    Die Einwohnerstatistik von 1885 listet für die beiden Hansenhäuser insgesamt 11 Bewohner auf. Bis zu diesem Zeitpunkt waren keine weiteren Gebäude hinzugekommen. Dies sollte sich kurze Zeit später ändern.Zu Beginn der 1890erJahre wurde die "Försterei Hansenhaus" erbaut um eine ortsnahe Bewirtschaftung der  umfangreichen  Waldungen  der Lahnberge zu gewährleisten. Die Försterei bestand aus Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäuden und die dazu gehörigen Ländereien wurden von derFamilie des Försters bewirtschaftet . Erst 1904 wurde mit dem "Bismarckturm" wieder ein Gebäude auf dem Areal in Nähe der Hansenhäuser errichtet. Die Stadt Marburg folgte dem Beispiel vieler Städte und baute für seine Bürger und Studenten eine "Bismarcksäule" mit Befeuerungsanlage. ln der Folgezeit zogen bei  Sonnenwende  und  nationalen Feiertagen  die  Marburger Bürger und Studenten in einem Fackelzug hinauf auf den Berg zum traditionellen Bismarckfeuer. Ein zu dieser Zeit sicher großes Event. Bis zur Erbauung eines weiteren Hauses sollten wieder 20 Jahre vergehen. Im  Jahr 1924 errichtete unterhalb des Hansenhaus rechts Professor Wirth Roeper-Bosch eine große Villa die er "Ehresburg" nannte und die seine Bibliothek und Sammlungen beherbergte. Dort ging Professsor Wirth Roeper-Bosch seinen Forschungen zur Urreligionsgeschichte und Symbolkunde nach. Abgesehen von An- und Erweiterungsbauten der beiden Hansenhaus  Gaststätten  fanden in den kommenden Jahren auf den großen Grundflächen, die sich überwiegend in öffentlicher Hand befanden und landwirtschaftlich genutzt wurden, keine baulichen Aktivitäten statt.


    Erst  200  Jahre nach dem amtlichen Nachweis des ersten Ansiedlers Johann Balthasar Schmenner "uffm Kaff" sollte sich dies grundlegend ändern. Im November 1933 konnte das Richtfest für 42 Siedlerstellen der "Stadtrandsiedlung" gefeiert werden und bereits im Mai 1934 konnten die zumeist in Eigenleistung errichteten Häuser bezogen werden. Der Grundstein für die erste geschlossene Wohnbebauung im heutigen Stadtteil Hansenhaus war gelegt und aus dem Zusammenschluss zu einer Siedlergemeinschaft  die Grundlagefür die heutige Hansenhaus-Gemeinde gegeben. Die Wirren des 2. Weltkriegs und der Nachkriegszeit hatte die Stadtrandsiedlung unbeschadet überstanden. Zu Beginn der 1950er Jahre begann eine rege Bautätigkeit   auf beiden Seiten der Großseelheimer Straße bis hinunter zum  Glaskopf und rund  um  den  Bismarckturm. Jedes freie und bebaubare Grundstück wurde genutzt. Die Expansion des Stadtteils Hansenhaus war nicht mehr aufzuhalten. Die Darlegung der Entwicklung ab den 1950er Jahren sollte jedoch einem gesonderten Artikel vorbehalten bleiben.


    <Der Verfasser Hubertus Schmenner ist ein direkter Nachkomme  von Johann Balthasar Schmenner, dem ersten Siedler von 1733. Er ist nicht wie seine Vorfahren Gastwirt geworden. Hubertus Schmenner war als Abteilungs­leiter für Haushalt und Finanzen in der Zentralverwaltung  der Philipps-Universität tätig.

    Ein weiterer direkter Nachkomme  von Johann Balthasar Schmenner, dem ersten Siedler von 1733, Wolfgang O. H. Schmenner war von 1974 bis 1992 der letzte Wirt der Schmenners auf dem Hansenhaus Rechts.>

    Freitag, 1. Januar 2016

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