Hansenhaus Rechts - Gemälde

Hansenhaus Rechts - Gemälde
Hansenhaus Rechts zu Marburg an der Lahn ca. im Jahre 1897 - Gemälde von Friedrich (Fritz) Klingelhöfer (04.061832 - 09.11.1903) Marburger Landschaftsmaler - Bildarchiv Foto Marburg 221331

Montag, 6. November 2017

Friedrich "Fritz" Klingelhöfer - Teil 1

Fritz "Friedrich" Klingelhöfer,
gemalt in Öl von Carl Bantzer
Bildarchiv Foto Marburg: fm221272.
Dem ersten international bekannten Marburger Maler Friedrich "Fritz" Klingelhöfer ist es zu verdanken, dass es vom Hansenhaus Rechts ein Gemälde in Öl aus dem Jahre 1897 von der nach Osten zugewandten Seite gibt.

Fritz Klingelhöfer stand mit seiner Staffelei an der Grenze zum Staatsforst, nahe der neu erbauten Revierförsterei Hansenhaus. Er malte dieses Bild sehr wahrscheinlich in den Morgenstunden um die frischen Lichtstrahlen der in seinem Rücken aufgehenden Sonne auszunutzen. 

Bildarchiv Foto Marburg: fm221331
Leider wird dem breiten Publikum das Gemälde nur in Form einer Schwarz-Weiss-Reproduktion zur Verfügung gestellt. Diese wurde im Jahre 1968 während einer Ausstellung von Bildern von Friedrich "Fritz" Klingelhöfer im Kunstmuseum der Philipps-Universität angefertigt. Das Originalgemälde befindet sich in Privatbesitz.

Der Marburger Landschaftsmaler malte das Hansenhaus Rechts zwischen zwei Bauphasen. Der heutige Gastraum mit Theke (die Wirtschaft) war kurz vorher aufgestockt worden. Der Anbau des Saalbebäudes (heute Speisesaal) war noch nicht begonnen.

Der Architekt August Dauber erinnerte mit einem Artikel in der Ausgabe Nr. 26 der Oberhessischen Zeitung vom 31. Januar 1920 an den ersten international bekannten Marburger Maler Fritz (Friedrich) Klingelhöfer: 

Oberhessische Zeitung – Nr. 26 – 31. Janur 1920 

Der Marburger Maler Fritz Klingelhöfer 

Wenn dereinst die Forschung sich der Geschichte der Marburger Malerei des 19. Jahrhunderts zuwenden wird, ist dabei eines hervorragenden Künstlers und Menschen zu gedenken, dessen hohe Kunst in der Heimatstadt Marburg wurzelt und dessen Spätzeit wir zahlreiche interessante Schilderungen seiner engeren und weiteren Heimat verdanken, die für deren Kultur von besonderem Werte sind und sie ihm zu dauerndem Danke verpflichten müssen. Es ist der Maler Fritz Klingelhöfer, dessen Persönlichkeit uns Marburgern noch im Gedächtnis und dessen Werke wir mit entstehen sahen.

Es ist dem damals noch auf hoher Stufe stehenden Mal- und Zeichenunterricht der hießigen höheren Schulen zuzuschreiben, daß auch dieses Talent früh erkannt und gefördert wurde. Am 4. Mai 1832 in Marburg in einem jetzt verschwundenen Hause an der alten Biegenbrücke am Pilgrimstein geboren als der älteste Sohn des Amtswundarztes Jakob Theodor Klingelhöfer, eines alten Kurhessen, dessen Geburtsort Schweinsberg war, und seiner Ehefrau Christine geb. Deiner, einer gebürtigen Nassauerin, aus Diez a. d. Lahn, erhielt er den ersten Unterricht unter den Malern Hach und Gustav Creuzer, dem feinsinnigen Maler der Romantik, dessen Wirken uns eine kleine Ausstellung seiner Werke im letzten Jahre zeigte, in der damaligen Realschule.

Sehr gegen den Willen seines Vaters, der ihn bei dem damaligen Darniederliegen der künstlerischen Betätigung gern seinem Berufe zugeführt hätte, wandte er sich in jungen Jahren ganz, dem inneren Drange folgend, der hohen Kunst zu und bezog mit 16 Jahren die Kunstakademie in Cassel. Hier fand er die Grundlage für seine fernere Entwicklung, und begeisterte Freundschaft auf Lebenszeit verband ihn mit gleichgesinnten Künstlern, von denen die Namen des Fritz von Wille, Theuerlauf und Arenz später bekannt wurden, Bedeutung gewannen. Diese bestimmten ihn auch, den Casseler Aufenthalt mit dem an der damals in hoher Blüte stehenden Akademie in Düsseldorf zu vertauschen. Gar oft schilderte er in trauter Runde begeistert seine dortigen Erlebnisse in der Künstlergesellschaft „im Malkasten“. Hier war es vor allem Achenbach, der dauernden Einfluß auf sein Leben gewann und ihn zum ausgesprochenen Landschafter werden lies.

Der immer stärker werdende Widerstand des Vaters gegen sein selbstgewähltes Lebensziel veranlaßte ihn im Jahre 1851 sich auf eigene Füße zu stellen, und so ist er mit 19 Jahren nach Amerika ausgewandert. Nach mancherlei Irrfahrten in diesem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten faßte er jedoch bald Fuß, wobei ihm seine außergewöhnliche Gewandtheit, malte er doch fast alle Bilder „in prima“ fertig, zustatten kam.

Er war als Illustrator für große Zeitungen tätig und fand eine Anstellung an einem der vornehmsten Töchterinstitute der Südstaaten als Professor der Malkunst mit 700 Dollar Jahresgehalt. Durch die 3-4 Monate sich ausdehnenden Ferien blieb ihm genügend freie Zeit für seine künstlerischen Neigungen.

Diesem Aufenthalte hatte er es zu verdanken, daß er ganz gegen seine Überzeugung zum Eintritt in die Armee der Südstaaten in dem nordamerikanischen Bruderkriege gepreßt wurde, welchem Zwange er jedoch alsbald durch die Flucht entrann. Nach seiner ersten Rückkehr im Jahre 1871 erhielt er von seinem Freunde Mittler, einem geborenen Wetteraner, aus Amerika die Nachricht, daß ihm die Stelle an dem Töchterinstitut wieder offen sei.

Dem Wunsche der Mutter, die ihn nach dem langen Fernsein und des Vaters Tode in der Nähe behalten wollte, kam er gern nach und zog nach München, wo er reichen Absatz für seine Bilder bei den nach dem erfolgreichen französischen Kriege nach der Heimat zurückkehrenden Deutsch-Amerikanern fand. Hier trat er mit manchem Künstler von klangvollem Namen wie J. A. von Kaulbach, Wilhelm Busch u. a. in engeren Verkehr, und manch heitere Episode wußte er von ihnen und dem Leben in dem Künstlerkreise der „Allotria“ zum Besten zu geben.

Sein Wandertrieb ließ ihn jedoch nicht lange an der Heimatscholle haften. Den Antrag aus Amerika hatte er ausgeschlagen und wurde hier mit dem Afrikareisenden Dr. Claus, einem Marburger, bekannt, der in Klingenhöfer den geeigneten Begleiter, einen der Sprache gewandten Mann, fand und ihn bestimmte, ihn nach dem Neuland Afrika, der Kongogegend, zu begleiten, um ihn bei dem Tauschhandel mit den Eingeborenen zu unterstützen. Klingelhöfer sagte umsomehr zu, als er reiches Material für seine Studienmappe erhoffte, und den klimatischen Einflüssen sich gewachsen fühlte, nachdem er doch auch in Amerika längere Zeit in den Tropen gelebt hatte. Im Jahre 1873 fuhr er mit einem Woermann - Segelschiff nach Afrika. Neben dem Tauschhandel blieb ihm hinreichend freie Zeit zu seiner künstlerischen Betätigung, der er sich voll und ganz hingab. Es sind mit die ersten farbigen Schilderungen der fernen Tropen Afrikas, die wir seiner geübten Hand verdanken. Er war einer der Pioniere, die deutschen Geist und Kultur nach dem fernen Erdteil brachten, uns die Kenntnis unserer späteren Kolonien vermittelte.

Das Handelshaus Woermann in Hamburg gab ihm den Auftrag, dessen dortige Faktoreien im Bilde festzuhalten, und deren Vertreter gaben hm weitere Aufträge zu neuen Schöpfungen.

Mit besonderem Interesse lernte er durch seine Reisen die heimischen Negerstämme kennen. Ihre hohe Kultur veranlaßte ihn zur Sammlung deren Produkte, Waffen und Ausrüstungsgegenstände, wozu der Tauschhandel die Grundlage abgab. Diese Neigung verstärkte der Verkehr mit dem Afrikareisenden Professor der Geographie Dr. Bastian, dem Gründer und späteren Direktor des Völkermuseums in Berlin, in dessen Auftrag er planmäßig vorging. Dieser Tätigkeit Klingelhöfers verdanken wir eine Anzahl Räumeaustattungen obigen Museums über Leben und Treiben der Negerstämme Zentralafrikas, deren Ausstellung er nach seiner Rückkehr persönlich leitete. Manche seltene Stücke verdankt das Museum seiner Richtung.

Seine Rückkehr im Jahre 1876 bedeutete für Marburg ein Ereignis. Neben den mancherlei Kleidungs- und Ausrüstungsstücken der Negerstämme für Krieg, Jagd und Fischerei, Weberei, Elfenbein- und Goldschmiedekunst, die von ihrer hohen Kultur ein getreues Bild gaben, waren es lebende Tiere und Reptilien, ausgestopfte Vögel und deren präparierte Bälge, die Aufsehen erregten. In dieser Zeit wuchs das Interesse für das fernliegende Land, und durch die interessanten Vorträge und Publikationen Bastians fanden Klingelhöfers afrikanische Bilder viele Liebhaber.

Auf Veranlassung Bastians unternahm er im Jahre 1876 seine zweite Afrikareise, die ihn weiter nach dem Inneren brachte und größere Expeditionen ausrüsten ließ. Die Früchte seiner Reise zieren noch heute das Berliner Völkermuseum. Vor allem bereicherte er auch hierbei seine Studienmappe mit herrlichen Studien aus Afrikas Tropen und aus den Ländern der Rückreise von Madeira, Spanien und Portugal herrührend.

Nach der Rückkehr im Jahre 1879 lebte er in Marburg und verbrachte den Winter in Düsseldorf und Weimar, wo er mit dem Maler Pilz bekannt wurde, dem wir schöne Genrebilder von Marburgs Umgebung verdanken. Später zogs ihn nach Berlin. Den Sommer verbrachte er in Marburg, wo er dauernd den zahlreichen Aufträgen nach den afrikanischen Schilderungen nachkommen mußte. Wie er selbst sagte, kam er damit in Mode. Seine Bilder fanden reißenden Absatz. Gar manches Gutshaus in der Mark und Ostpreußen zeigen seine Schöpfungen, die hier in der engeren Heimat nur spärlich vertreten sind. Auch hier erwachte seine Sammlertätigkeit, die ihn in seiner späteren Zeit nie verließ und ihn zum Kunsthändler im idealen Sinne werden ließ. Gar mancher Herrensitz Deutschlands, auch die Marienburg in Westpreußen, das Germanische Museum in Nürnberg, die Museen in Cassel, Frankfurt und Darmstadt, sowie dasjenige auf dem hiesigen Schlosse, danken ihm mit die besten Stücke. Noch heute gleicht seine Wohnung in der Reitgasse, die sich unverändert erhalten, einem intimen Museum von malerischem Reize.

Das überaus reiche Studienmaterial seiner afrikanischen Reisen hatte berechtigte Bewunderung und Aufsehen erregt. Leider blieben ihm die Früchte dieser anstrengenden Jahre versagt. Sein bestes Material wurde ihm durch die Untreue eines Schülers gestohlen, der es, als er sich entdeckt sah, vernichtete. Dieser harte Schlag nahm ihm jede Schaffenslust und Lebensfreude. Erst allmälich fand er Trost in seiner Kunst. Diesem Zufall verdanken wir es vor allem, daß er sich in den Schönheiten der engeren Heimat wiederfand. Es waren herrliche Gesamtbilder von Marburg, gesehen von allen Himmelrichtungen in allen möglichen Variierungen seiner Vorder- und Hintergründe. Dann weiter stimmungsvolle Schilderungen seiner stillen Gassen und trauten Winkel, die jedoch größtenteils an Alt-Marburger nach Amerika verkauft wurden. Es sind auch mit die besten farbigen Gesamtbilder Marburgs geblieben. Nochmals später, 1901, als es galt, dem Lloydampfer „Marburg“ ein Bild der Stadt zu Verehren, erinnerte man sich des Meisters Klingenhöfer, der die gestellte Aufgabe hervorragend löste, dieses ist sein letztes Stadtbild geblieben.

Auch in den Dienst der Kritik stellte er die Kunst, als damals die Schuhmarkttreppe nach der Reitgasse, eine städtebaulich interessante Anlage, beseitigt wurde. Zwei Bilder geben Zeugnis davon, wie sich das Städtebild vor und nach der Beseitigung ausnimmt und welche Werte verloren gingen.

Seine produktive Zeit als Maler in der engeren Heimat fällt erst nach seinem 60. Jahre. Sie zeigt den Meister in voller Reife und Schaffenskraft. Manches schöne Werk dieser Zeit ist noch im Besitze der jetzt hochbetagten Schwester geblieben, soweit sie nicht inzwischen in den Besitz von Liebhabern und Sammlern übergingen. Es sind Schilderungen der Gegend von Niederwalgern, dem Salzböde- und Lumdatal, dem Ohmtal und dem Waldeckerlande, dem Tal der Orke und Itter.

Eine der letzten größeren Arbeiten war ein Auftrag des Gutsbesitzers Hofmann, dessen altehrwürdiger Deutschhaushof in Marburg der Stadterweiterung zum Opfer fiel. Es galt ihn im farbigen Bilde festzuhalten und dabei noch solcher Teile zu gedenken, die längst verschwunden. In 8 Einzelbildern und einem Gesamtbilde hat er diese für unsere Ortsgeschichte bedeutsame Aufgabe vollendet gelöst. Nachdem sich die Familie zerstreute, und der neuerbaute Besitz in andere Hände überging, wäre es vielleicht möglich, diese Bilder für unser im Aufblühen befindliches Stadtmuseum zu erwerben und damit für Marburg zu retten. Sie haben ganz besonderes ortsgeschichtliches Interesse.

Neben dem feinsinnigen, bescheidenen Künstler ist es jedoch der prächtige, treue Mensch und Gesellschafter, dessen feines Gemüt allabendlich einen zahlreichen Freundes- und Bekanntenkreis im sogenannten „Golf“ um sich vereinte. Mit seinen humorvollen Schilderungen aus der Wanderzeit und dem interessanten Verkehr mit bedeutenden Menschen bildete er stets den Mittelpunkt der Gesellschaft und Führer der geistvollen Unterhaltung. Sein hervorragendes Sprachtalent, das ihn besonders bei dem langen Aufenthalt in den Tropen nicht verließ, beherrschte er doch eine ganze Anzahl der Negerdialekte, kam ihm hierbei zugute. In dem Bilde seines Freundes Carl Bantzer ist der Mensch und Künstler Fritz Klingelhöfer auf Beste der Nachwelt erhalten.

Gar mancher junge Künstler erhielt bei ihm Anregung und Förderung. Noch in seinen letzten Lebensjahren vereinigte er eine größere Schar talentvoller Schüler und Schülerinnen um sich, denen er die Schönheiten der Heimat begeistert zu schildern wußte. 

 Seine persönliche Freundschaft und sein Verkehr mit allen führenden Meistern des hessischen Kunstschaffens in Cassel, Willingshausen, Frankfurt und Marburg selbst, prädestinierten ihn zu ihrem Mittelpunkt. Alle diese Meister gaben sich bei unserem „Massa“, wie er genannt wurde, ein Ste.dichein, sodaß sein Tod, der infolge eines Schlaganfalles am 9. November 1903 eintrat, auch in diesem Sinne sehr bedauert wurde.

Die kleine Ausstellung bei Elwert hier vereinigt eine Auswahl seiner hinterlassenen Werke aus der Afrikaperiode und dem letzten Lebensabschnitt, die ein getreues Bild von dem Wirken und den Leistungen des Meisters geben. Sein erstes größeres Oelbild aus der Casseler Zeit, ein Stilleben mit einem mächtigen Hunde, verdanken wir der Pietät der lebenden Schwester, da er selbst es zu gern später übermalt hätte. Die Familienbilder gehören der Amerikazeit an und sind mit die ersten bekannten Werke Kingelhöfers bis auf des Vaters Bildnis. Dieses stammt von dem Marburger Maler Lauer, der später in Rußland Professor wurde und dort verstorben ist.

Die afrikanischen Bilder zeigen Klingelhöfer in seiner Vollkraft. In ihrer sonnigen Stimmung und üppigen Farbenpracht erkennen wir so recht den Zauber der Tropen, und es ist zu leicht zu verstehen, daß ihr erstes Auftreten in Berlin berechtigtes Aufsehen erregte. Man glaubt ein Feenland vor sich zu haben. Sie sind duftig gemalt mit weiten, fein abgetönten Fernen, was wohl sein Eigenstes ist. Meisterhaft sind vor allem die heimischen Werke aus seinem letzten Lebensabschnitt in Zeichnung, Auffassung und Farbengebung. Der sonnige Hauch, der die Bildwerke überzieht, ruht wohl noch von der ihm aus der afrikanischen Zeit anhaftenden Malweise her. Alle Motive sind äußerst geschickt gewählt und der Natur ziemlich nahe gebracht.

Zu bewundern ist, mit welcher Sicherheit er die verschiedensten Stimmungen und Beleuchtungen spielend festzuhalten wußte.

Er ging in seinen Werken voll auf und beachtete trotz hohen Alters nicht die Strapazen und Entbehrungen, denen er bei der Ausführung ausgesetzt war. Stets war es sein goldiger Humor, der ihm alles verschönte, und manch heiteres Erlebnis wußte er bei Rückkehr von seinen Studienfahrten im näheren Bekanntenkreise zum Besten zu geben.

Seine Sammlertätigkeit ging über den Rahmen des Alltäglichen weit hinaus und war ihm zu Passion geworden. Sein Name hatte bei den Leitern unserer großen deutschen Museen einen guten Klang, und selten versäumten diese Herren auf ihren Reisen bei ihm einzukehren und aus seinen Ateliers, die voll solch alten Krams steckten, reiche und wertvolle Beute zu gewinnen. Neben den Bildwerken bedeutender Meister waren es vor allem Werke der Möbel- und Kleinkunst, der Kostüm- Goldschmiedekunst, der heimischen und hessischen Keramik und Fahencemalerei, der er mit großer Liebe nachging. Man meinte in ein Märchenland zu kommen, wie mir einmal Professor Max Länger bemerkte, wenn man durch das Neben- und Uebereinander in seinen Sammlungsräumen und Ateliers kam, die weniger Ordnung als malerisches Durcheinander aufwiesen. Am malerischsten war natürlich der Meister selbst, wenn er inmitten des Chaos emsig an der Staffelei saß mit der charakteristischen dünnen Negerzigarre im Munde, wie er uns im Bantzerischen Bilde getreu erhalten ist.

Nun ruht er schon seit Jahren auf dem alten Weidenhäuser Friedhofe in Marburg an der Seite seiner Eltern von seinem Schaffen aus. Dieses Recht hatte er durch den Wohnsitz der Eltern am Pilgrimstein erworben. Sein Geist und Bild ist noch heute bei seinen Freunden und Verehrern lebendig. Daß es auch im weiteren Kreise lebendig bleibe, dazu mögen diese Zeilen dienen und ein Denkmal bedeuten für den weitgereisten Forscher, den bescheidenen Künstler und nicht zuletzt für den tüchtigen Sohn seiner Vaterstadt.

Marburg, im Januar 1920.
August Dauber


 

Unter der Quellnummer 105 auf Seite 963 des Buches Marburger Geschichte - Rückblick auf die Stadtgeschichte in Einzelbeiträgen - ISBN 3-9800490-0-0 befindet sich nachfolgender Vermerk:
Das Marburger Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte versammelte im September/Oktober 1968 insgesammt 77 Gemälde Klingelhöfers, das heißt alle damals erreichbaren Werke zu einer Ausstellung. Ein Katalog konnte nicht gedruckt werden, doch fertigte das Bildarchiv Foto Marburg von allen damals bekannten und von einigen später bekanntgewordenen Gemälden Aufnahmen an.
Ferner lesen wir auf Seite 963
Während in älterer Zeit unter den in Marburg lebenden Malern Lehrer-SchülerVerhältnisse nicht zu erkennen sind, ist im 19. Jahrhundert eine, wenn auch nur lose, Verbindung zwischen den Generationen zu beobachten. Hach und Creuzer unterrichteten Friedrich Klingelhöfer, er wiederum wurde zum Mentor des jungen Carl Bantzer in dessen Berliner Zeit.

 Nachfolgend noch ein Ausschnitt mit Foto aus dem Jahre 1987 aus dem Artikel
Kulturhistorisch bedeutsam, doch vom Vergessen und Verfall bedroht: DER ALTE JOSTFRIEDHOF

von dem Marburger Lokalhistoriker und Pfarrer i.R. Friedrich Dickmann.

Grabstätte des 1903 verstorbenen
Malers  Fritz Klingelhöfer im Jahre 1987

Unweit der Südseite der Kapelle befindet sich das verstümmelte Marmorkreuz des Malers Fritz Klin­ gelhöfer, der 1903 als 73-jähriger starb und neben seinen Eltern
... und im Jahre 2017
beigesetzt wurde. Seine Lehrjahre, so erzählt Georg Rumpf, verbrachte er in Amerika, seine Wanderjahre in Afrika. Viele seiner farben­ prächtigen Ölgemälde befinden sich im Privatbesitz Marburger Familien, einige auch in unserem Museum. Zusammen mit den Malern Bantzer, Giebel, Baum und Thielemann gehörte Klingelhöfer zu der bekannten Malerkolonie von Willingshausen in der Schwalm. Klingelhöfers Mutter, eine gebore­ne Deinert, stammte aus Weidenhausen, so daß der Maler, der in der Reitgasse 4, dem ehemaligen Caffe Markees, gewohnt hatte, berechtigt war, auf dem Weidenhäuser Friedhof zu ruhen. 


Im Teil 2 wird eine Kopie der Original Zeitung "Oberhessische Zeitung" mit dem Artikel von August Dauber vorgestellt.

Teil 2: In Bearbeitung